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January 24, 2013

Video – Tourismusexperten in Österreich: Wir müssen Skifahren neu inszenieren

Tourismus Community Austria lud zur Auseinandersetzung um die Zukunft des Wintersports – Expertenrunde erwog Strategien gegen stagnierende Märkte

(Wien, 24. Januar 2013) “Der Wintertourismus in Österreich ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte”, brachte es Richard Bauer von der Österreich Werbung bei der sechsten Tourismus Community Austria (TCA) auf den Punkt. Nun gelte es, diese Geschichte fortzuschreiben und die dazu nötigen Strategien zu erarbeiten. Welche das sein könnten, diskutierte eine hochkarätige Expertenrunde auf Einladung der TCA im Wiener Haus der Musik. Etwa 100 Gäste aus der Tourismus- und Freizeitwirtschaft folgten dabei den Ausführungen von Werner Taurer und Gernot Memmer des Tourismusconsulting-Unternehmens Kohl & Partner, die in ihrem einleitenden Statement sechs Thesen zur Zukunft des Wintersports präsentierten.

Bergbahnen müssen demnach von Transportunternehmen zu Erlebniseinrichtungen werden, die in Kooperation mit Partnern aus dem Tourismus mehr bieten, als bloße Aufstiegshilfe. Sie mahnten zudem zur Weitsicht hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels und der demografischen Veränderungen, die als unumstößliche Fakten die Grundlagen des Wintertourismus nachhaltig beeinflussen. Zudem wachse der wirtschaftliche Druck auf die Destinationen, weshalb Konzentrationstendenzen, wie sie bereits im Rahmen von Skigebietszusammenschlüssen zu beobachten sind, weiter zunehmen werden: “Wir gehen von weiteren Zusammenschlüssen aus. Der Druck auf kleine Skigebiete wird dadurch größer.” Angesichts dieser Herausforderungen raten Taurer und Memmer dringend dazu, einen Masterplan zu erarbeiten: “Es muss in jedem Bundesland eine Gesamtstrategie für den Umgang mit diesen kleinen Skigebieten in Not gefunden werden.”

Tourismusexperten in Österreich: Wir müssen Skifahren neu inszenieren

Tourismusexperten in Österreich: Wir müssen Skifahren neu inszenieren

Im Anschluss an das Impulsreferat leitete TAI (Tourismuswirtschaft Austria International)-Chefredakteur Christopher Norden zur Gesprächsrunde über, in der die Thesen von Praktikern diskutiert wurden. Dieter Dubkowitsch, Montafon Tourismus, bestätigte angesichts seiner jüngsten Erfahrung mit dem Zusammenschluss zweier Skigebiete in Vorarlberg, dass Konzentration und Bündelung von Kräften ein gangbarer Weg für die Zukunft sei: “Wir haben das größte Skigebiet Vorarlbergs geschaffen, was für unsere Außenwirkung sehr wichtig ist, da sich diese Botschaft sehr gut kommunizieren lässt.” Mit ganz anderen Problemen hat hingegen Markus Redl, Geschäftsführer der Niederösterreichischen Bergbahnen Beteiligungsgesellschaft, zu kämpfen: “Wir machen in vielen unserer Skigebiete 80 Prozent des Umsatzes in nur zwei bis drei Wochen. Davon wollen wir uns befreien, das ist unsere Herausforderung.” Zusammenschlüsse sind dabei in Niederösterreich jedoch schon aus geografischen Gründen kaum möglich.

Es gelte daher, Zusatzangebote abseits vom reinen Skisport zu schaffen. Österreich-Werber Richard Bauer sieht diese Notwendigkeit ebenfalls gegeben: “Wir halten im europäischen Wintertourismus bei einem Marktanteil von rund 50 Prozent, das ist einzigartig. Wichtig ist nun, den Gästen abseits vom klassischen Wintersport Alternativen zu bieten. Für jene, die nicht oder nicht fünf Tage am Stück Skifahren wollen.” Für Franz Schenner vom Netzwerk Winter, einer branchenübergreifenden Meinungsbildungsplattform für Wintersport und Tourismus, sind wiederum gesellschaftliche Trends und der damit verbundene Bedeutungsverlust des Wintersports die großen Herausforderungen. Schenner warnte davor, “eine weitere Generation potenzieller Skifahrer zu verschlafen”, und pochte darauf, etwa Schulskikurse und kleine wohnortnahe Liftanlagen unbedingt zu erhalten.

Das Fazit des Abends fiel vorsichtig optimistisch aus. Ausgehend von zwei aufeinanderfolgenden Rekord-Wintersaisonen gelte es nun, die Rolle Österreichs als führende Winterdestination Europas zu erhalten und auszubauen. Das Potenzial dazu sei vorhanden, war man sich am Podium einig.

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