Close

March 6, 2013

Tourismuswirtschaft weiter auf Wachstumskurs

Nach einem guten Jahr 2012 rechnet die Branche auch 2013 mit leichtem Plus – Branchenspezifische Belastungen verhindern Ausschöpfung des vollen Potenzials

(Berlin, 06. März 2013) Nachdem die Tourismuswirtschaft 2012 in vielen Bereichen neue Bestmarken verzeichnet hat, sieht die Branche auch dem Jahr 2013 vorsichtig optimistisch entgegen: „Wir rechnen mit einem branchenweiten Plus von ein bis zwei Prozent“, erklärte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Michael Frenzel.

BTW Tourismus

Die Tourismusbranche in Deutschland genauso wie weltweit konnte sich auch 2012 wieder über mehrere neue Rekorde freuen. So zählte die Welttourismusorganisation UNWTO erstmals mehr als eine Milliarde Touristen weltweit. „Nicht zuletzt Deutschland profitiert von der unglaublichen Reiselust“, erklärte Frenzel. Die Zahl der Übernachtungen in Deutschland stieg 2012 um vier Prozent auf 407 Millionen und übertraf damit erstmals die Grenze von 400 Millionen. Bei den inländischen Gästen lag das Plus bei drei Prozent, Gäste aus dem Ausland übernachteten sogar acht Prozent häufiger. In Sachen Umsatz verzeichnete das Gastgewerbe ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber 2011 und damit das dritte Wachstumsjahr in Folge. Die Hoteliers setzten 3,1 Prozent mehr um, die Gastronomen 1,7 Prozent.

Die deutschen Flughäfen erzielten 2012 erstmals mehr als 200 Millionen Passagiere. Das Plus von 1,1 Prozent war allerdings das schwächste Wachstum seit vier Jahren. Die Luftverkehrsbetriebe spüren die Folgen der Eurokrise, hohe Kerosinpreise sowie nationale Belastungen wie die Luftverkehrsteuer deutlich.

Elf Milliarden Fahrten im Bus- und Bahnverkehr bedeuteten auch in diesem Bereich Zuwachs. Bei den Geschäftsreisen war zu spüren, dass 2012 für die deutsche Wirtschaft insgesamt ein unsicheres Jahr war. Sparmaßnahmen waren am deutlichsten im Bereich Übernachtungen, am wenigsten bei der Verpflegung erkennbar. Die Veranstaltungs-Centren verzeichneten 2012 ein „konstantes Ergebnis“.

Belastungen bremsen das Wachstum
„Dass die deutsche Tourismuswirtschaft mit ihren Prognosen unter globalen Vorhersagen wie beispielsweise der UNWTO bleibt, hat unter anderem einen wichtigen Grund: Nationale und europäische Politik und dabei insbesondere branchenspezifische Sonderabgaben dämpfen das touristische Wachstum in Deutschland und verhindern, dass die Branche ihr volles Potenzial ausschöpfen kann“, so Frenzel. „Gute Argumente der Branche gegen eine Vielzahl politischer Entscheidungen bestätigen sich durchaus – doch werden daraus nicht die notwendigen politischen Konsequenzen gezogen.“

So halten viele Kommunen an der Einnahmequelle Bettensteuer fest, obwohl Gerichte zahlreiche Bedenken gegen diese Abgabe teilen und die Steuer zumindest für geschäftlich veranlasste Übernachtungen untersagt haben. Die Regierung verteidigt krampfhaft die Luftverkehrsteuer, obwohl selbst ein Regierungsgutachten Passagierverluste in Millionenhöhe bestätigt und obwohl sich die Bundesländer parteiübergreifend für eine Abschaffung der Steuer ausgesprochen haben. Und die EU will zwar auf Druck der sogenannten Drittstaaten wie USA, Russland und China den Luftverkehrs-Emissionshandel für interkontinentale Flüge aussetzen, für innereuropäische Flüge jedoch nicht. So geht auch dieser Kompromiss wieder einseitig zu Lasten der europäischen Unternehmen, da diese deutlich mehr innereuropäische Flüge anbieten als ihre internationalen Mitbewerber.

Auch in Sachen Visavergabe gibt es aus Sicht der Branche weltweit noch viel Verbesserungs- und Vereinfachungspotenzial. Dabei soll die Sicherheit der einzelnen Länder nicht in Frage gestellt werden. Es geht lediglich darum zu vermeiden, dass reisewillige Menschen durch Kosten, Wartezeiten oder schwierige Antragsprozeduren von ihren Reisen abgehalten werden. Das käme nicht nur den Reisenden zu Gute: Visavereinfachungen könnten auch zu fünf Millionen zusätzlichen Jobs allein in den G20-Staaten führen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Frenzel: „Mein Appell gilt also den Politikern auf allen Ebenen: Beenden Sie wettbewerbsverzerrende Belastungen und bauen Sie unnötige Bürokratie ab. So können Sie diese Branche, die 2,9 Millionen Menschen beschäftigt, dabei unterstützen, auch weiterhin ihren Teil zum Wirtschaftswachstum und einem stabilen Arbeitsmarkt beizutragen.“

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *