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March 20, 2013

Hotellerie gelingt Anschluss an Vorkrisenniveau: IHA freut sich über Konjunktur-Hattrick – Kommunale Bettensteuern sorgen für große Verunsicherung – Mehr Fairness in der Online-Distribution gefordert

(Berlin, 20. März 2013) Die Jahresbilanz für das Beherbergungsgewerbe in Deutschland fällt zum dritten Mal in Folge positiv aus. Die Zahl der Gästeübernachtungen stieg insgesamt um 3,6 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 407,3 Millionen Übernachtungen. „Der deutschen Hotellerie ist es im Unterschied zu früheren Zyklen gelungen, simultan mit der Gesamtwirtschaft die Rezession hinter sich zu lassen und Anschluss an das Vorkrisenniveau zu finden“, sagte der IHA-Vorsitzende Fritz G. Dreesen in Berlin. In der Hauptstadt stellte der Hotelverband Deutschland (IHA) am Mittwoch seinen Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2013“ vor.

IHA Branchenreport Hotelmarkt Deutschland 2013

„Diese gute Entwicklung verdanken wir der Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungen. Die Branche konnte allen politischen Widrigkeiten zum Trotz mit Investitionen in Milliardenhöhe und weit über dem Wirtschaftsdurchschnitt liegenden Neueinstellungen aufwarten.“ Große Sorgen bereiten den Hoteliers im Lande allerdings die nicht abreißende Diskussion über kommunale Bettensteuern sowie die wachsende strukturelle Abhängigkeit von Online-Buchungsportalen und die damit verbundenen Kostenbelastungen und Wettbewerbsbeschränkungen.

Im Reiseland Deutschland liegen Städte- und Wellnessreisen im Trend, aber auch der Geschäftsreiseverkehr und Tagungstourismus befinden sich im Aufwind. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Anzahl der Übernachtungen in der klassischen Hotellerie im Jahr 2012 um 4,1 Prozent auf 250,1 Millionen (Vorjahr 240,8 Millionen). Der konjunkturelle Aufschwung schlug sich auch positiv in den Umsatzzahlen des Statistischen Bundesamtes nieder: Die Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen erzielten 2012 einen Nettoumsatz von 20,66 Milliarden Euro (real +1,5 Prozent).

Nach den Auswertungen des Hotelbenchmarks von STR Global, dem für Deutschland die Daten von rund 900 Hotels zugrunde liegen, nahm die durchschnittliche Zimmerbelegung von 64,9 Prozent auf 66,3 Prozent (+2,2 Prozent) zu. Die Netto-Zimmerpreise (ohne MwSt. und Frühstück) kletterten trotz anziehender Konjunktur um 3,3 Prozent auf 94 Euro (Vorjahr 91 Euro). Die deutschen Hotelpreise liegen damit weiterhin um fast 10 Prozent unter dem europäischen Durchschnittswert. Die deutsche Hotellerie erreichte 2012 einen durchschnittlichen Zimmerertrag (RevPAR) von 62 Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die guten Konjunkturzahlen spiegeln sich auch in den Beschäftigungszahlen wider: Zum Stichtag 30. Juni 2012 stieg die Zahl der im Beherbergungsgewerbe sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 2,6 Prozent auf 272.440, während die Gesamtwirtschaft ein Plus von 1,6 Prozent verzeichnete.

Trotz bestehender Überkapazitäten entstehen weiterhin zahlreiche neue Hotels zwischen Ostsee und Alpen: Für die nächsten drei Jahre sind bundesweit 499 Neu-, Um- und Ausbauten (Vorjahr 498) geplant – mit einem deutlichen Zuwachs im Bereich der 1- bis 2-Sterne-Häuser. Werden alle Investitionsprojekte auch realisiert, drängen in den nächsten drei Jahren 66.837 (Vorjahr 65.953) zusätzliche Hotelzimmer auf den deutschen Hotelmarkt.

Deutschlandtourismus wächst auch dank reduzierter Mehrwertsteuer
„Die Branche konnte auch dank des reduzierten Mehrwertsteuersatzes kräftig investieren und so ein noch besseres Preis-Leistungs-Verhältnis erzielen“, erläutert Dreesen die Entwicklung. Lokale Handwerker und Zulieferer profitieren maßgeblich von den Investitionen. „Tausende Existenzen kleiner Familienunternehmer und Arbeitsplätze konnten so gesichert werden“, betonte Dreesen. Denn im Gegensatz zu den von den Medien vermittelten Bildern ist die Hotellerie in Deutschland weitgehend klein- bis mittelständisch strukturiert. So verfügen fast zwei Drittel der Hotels, Gasthöfe und Pensionen über weniger als 20 Zimmer. „Die Mehrwertsteuersenkung war eine dringend notwendige Investition in den Tourismusstandort Deutschland und hat endlich für Steuergerechtigkeit in Europa gesorgt“, sagte Dreesen. Nun benötigen die Unternehmer aber auch Planungssicherheit. „Wir haben kein Verständnis für die immer wieder aufkommende Diskussion um die Mehrwertsteuersenkung aus rein populistischen Gründen.“

Hotelverband blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft – Bettensteuern sorgen für große Verärgerung
Trotz des Hintergrunds der Eurokrise zeigt sich die Hotellerie für 2013 wegen der weiterhin starken Binnennachfrage vorsichtig optimistisch. Der Hotelverband geht weiter von einem moderaten Wachstum der Umsätze um ein bis zwei Prozent aus. „Voraussetzung dafür ist eine verlässliche und vernünftige Politik. Steuererhöhungen wären Gift für die weitere Entwicklung“, betonte Dreesen. So erteilte der IHA-Vorsitzende kommunalen Bettensteuern eine deutliche Absage: „Die Einführung von Bettensteuern ist nach Auffassung immer mehr Verwaltungsgerichte rechtlich unzulässig, selbst wenn sie sich nur auf privat veranlasste Übernachtungen erstreckt. Faktisch und juristisch ist eine Unterscheidung zwischen privat und geschäftlich veranlassten Übernachtungen nicht möglich. Schließlich könnte jeder Gast behaupten, geschäftlich unterwegs zu sein, um somit nicht der Bettensteuer zu unterliegen. Zu Recht haben die Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig darauf hingewiesen, dass der Steuerehrliche nicht der Dumme sein dürfte.“

Fairer Wettbewerb im Netz gefordert
Neben den politischen Herausforderungen thematisierte Dreesen auch die rasant wachsende Bedeutung des Internets für die Branche als Vertriebskanal: „Unsere Mitglieder sind besorgt, mehr und mehr die Kontrolle über ihre Preise, Verfügbarkeiten und Konditionen zu verlieren.“ Um die Märkte zum Nutzen der Gäste, der Vertriebspartner und der Hotellerie offen zu halten, hat der europäische Dachverband der Hotels, Restaurants und Cafés HOTREC „Eckpunkte fairer Praktiken in der Online-Distribution“ erstellt. Der Hotelverband Deutschland (IHA) begrüßt daher ausdrücklich die Ermittlungen der Kartellbehörden in mehreren europäischen Ländern, darunter auch des Bundeskartellamtes, gegen verpflichtende Best-Preis-Klauseln der marktbeherrschenden Online-Buchungsportale. „Wir sind zuversichtlich, dass das gegenwärtig der Branche auferlegte engmaschige Paritätengitter rechtlich keinen Bestand haben wird. Mittel- und langfristig ist die Stärkung des Direktvertriebes die nachhaltigste Möglichkeit für die Hotellerie, sich aus der strukturellen Abhängigkeit der Buchungsportale zu lösen und ihre unternehmerische Freiheit zu verteidigen“, erklärte Dreesen.

Missbrauch von Hotelsternen wird geahndet
Der IHA-Vorsitzende Fritz G. Dreesen ging auf der Pressekonferenz auch auf ein Thema ein, dass in den letzten Monaten hohe Wellen geschlagen hat: irreführende Werbung nicht-klassifizierter Hotels mit Sternen. „Wirbt ein Hotel mit Sternen, die ihm nicht von der Deutschen Hotelklassifizierung gültig vergeben sind, liegt ein Verstoß gegen Wettbewerbsrecht vor und der Betrieb setzt sich einem hohen Abmahnrisiko aus.“ Man werde selbstverständlich gemeinsam mit den Klassifizierungsgesellschaften die Marke „Deutsche Hotelklassifizierung“ gegen Missbrauch verteidigen. „Wenn wir Kenntnis von abmahnfähiger, unlauterer Werbung eines Hotels mit Hotelsternen erlangen, gehen wir dagegen in enger Kooperation mit den Experten der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs vor“, erklärte Dreesen. Allen Gästen riet der IHA-Vorsitzende: „Achten Sie auf das offizielle Schild der Deutschen Hotelklassifizierung und überprüfen Sie im Zweifel auf www.hotelsterne.de, ob ein Hotel zu Recht mit Sternen wirbt!“

Hotelmarkt Deutschland 2013 im Überblick

• Anzahl Betriebe „Hotellerie“*: 34.986, davon 21.325 Hotels/Hotels garnis (61,0%)
• Anzahl Betten: 1.707.773, davon 1.404.000 in Hotels/Hotels garnis (82,2%)
• Anzahl Zimmer: 948.825 (Hotellerie), davon 777.484 in Hotels/Hotels garnis
(82,0%)

• Ø Zimmerauslastung: 66,3 (Vorjahr: 64,9%)
• Ø Zimmerpreis (netto)**: 94,00 Euro (Vorjahr: 91,00 Euro)
• Ø Zimmerertrag: 62,00 Euro (Vorjahr: 59,00 Euro)

• Übernachtungen insgesamt: 407,3 Mio. (Vorjahr: 394,0 Mio.)
o davon Hotellerie*: 250,1 Mio. (Vorjahr: 240,8 Mio.)
o davon Hotels/Hotels garnis: 217,4 Mio. (Vorjahr: 208,6 Mio.)
o davon ausländische Gäste
in der Hotellerie*: 55,5 Mio. entspricht 22,2% (Vorjahr: 51,4 Mio. bzw. 21,3%)

• Nettoumsatz Hotellerie*: 20,659 Mrd. Euro (Hochrechnung)

• Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stichtag 30. Juni 2012):
o Beherbergungsgewerbe: 272.440 ( +2,6%)
o Gastgewerbe: 901.459 ( +3,8%)
o Gesamtwirtschaft 28.920.588 ( +1,9%)

• Hotelprojekte***: 499 (Vorjahr: 498)
• Projektierte Zimmer***: 66.837 (Vorjahr: 65.953)
• Investitionsvolumen***: 9,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 10,0 Mrd. Euro)

jeweils letztverfügbare Werte
* Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen werden seitens des Statistischen Bundesamtes zum „klassischen Beherbergungsgewerbe“ bzw. zur „Hotellerie“ zusammengefasst.
** Durchschnittlicher Erlös (ohne Frühstück und ohne Mehrwertsteuer) je vermietetem Zimmer in Euro.
***In dreijähriger Perspektive

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