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April 4, 2013

Hotelboom in Myanmar: Bedarf im Fünfsterne-Segment – Restauration von Kolonialgebäuden

(Bangkok, 04. April 2013) In der Wirtschaftsmetropole Yangon ist die Nachfrage nach Hotels im Premium-Segment beträchtlich, hat doch der Besucherstrom nach Myanmar 2012 die 1.-Mio.-Marke übertroffen. Bisher zog es meist asiatische Investoren in den Wachstumsmarkt, zuvorderst aus Singapur, doch jetzt zeigen auch westliche Hotelketten lebhaftes Interesse. Als Filetstücke gelten alte Kolonialgebäude. Mit dem Bauboom ergeben sich gute Chancen für deutsche Produkte, Technologien und Dienstleistungen.

Von Waldemar Duscha/gtai

Die Skyline der Businessmetropole Yangon kennzeichnen immer mehr moderne Baukräne, gearbeitet wird oft rund um die Uhr. Was früher in handwerklicher Bauweise vier bis fünf Jahre dauerte, wird heute in der halben Zeit hochgezogen. Auf einigen Großbaustellen sind gleich mehrere moderne Kräne oder anderes schweres Baugerät zu sehen, unter anderem von Liebherr und Kobelco. Hotelentwickler jagen nach attraktiven Grundstücken und demnächst wohl auch verstärkt altenglischen Kolonialbauten, deren Restauration allerdings oft kein einfaches Unterfangen darstellt. Die neue Dynamik reflektiert den starken Ansturm durch Touristen wie auch Geschäftsleute, die sich gegenseitig die Klinke in die Hand geben. Letztere reisen nicht selten in zweistelliger Delegationsstärke.

Wenig verwunderlich, dass nunmehr auch die renommierten internationalen Hotelketten stärker in den attraktiven Markt drängen. Ein letztes Beispiel ist Frankreichs Accor Hospitality. Im Joint Venture mit der Max Myanmar Group will Accor den bereits begonnenen Pyay Tower in Yangon in ein Novotel mit 366 Zimmern verwandeln. Die Gebäudestruktur entwickelte die International Interior Design Association aus Singapur, das Innendesign stammt von der AA Corporation aus Vietnam. Ein weiteres Novotel ist in Mandalay vorgesehen, für Naypyidaw sogar ein MGallery-Luxushotel.

Die weltweit zweitgrößte Hotelkette Best Western will 2013 ihr erstes Hotel in Yangon eröffnen. Interessiert ist auch Thailands zweitgrößte Kette Central Plaza Hotel, die bislang 31 Hotels und Resorts in Thailand und anderen Ländern betreibt. Hilton Worldwide schloss mit LP Holdings einen Managementvertrag für das Hilton Yangon (300 Zimmer) im Stadtteil Kyauktada ab, das 2014 als Teil der Centrepoint Towers mit Büros und Geschäftsflächen eröffnen soll. Weitere Interessenten sind Marriott International und Starwood Hotels & Resorts mit den Marken Westin, Sheraton und Le Meridien.

Die Glanzstücke mit touristischer Magnetwirkung werden in dem teils über ein Jahrhundert alten Bestand an Kolonialbauten aus der Zeit des Britischen Empire gesehen – darunter zahlreiche Regierungsgebäude, die mit dem Umzug in die neuerrichtete Hauptstadt Naypyidaw ab 2005 verwaisten. Die Myanmar Investment Commission hat mehrere Gebäude für nationale wie ausländische Investoren ausgeschrieben mit Leasingverträgen von 30 Jahren und der Optionen zweier Verlängerungen um jeweils 15 Jahre. Die Yangon City Heritage List erfasst beachtliche 187 erhaltungswürdige Kolonialbauten.

Als ein erstes Projekt des architektonischen Erbes beginnt noch in diesem Herbst der Umbau des ehemaligen Burma Railways Headquarters aus dem Jahr 1877 in ein Fünfsternehotel, das zwischen dem Traders Hotel und dem Bogyoke Scott Market das Zentrum von Downtown Yangon repräsentiert. Mit der Prüfung der Gebäudestruktur sowie der Arbeiten zur Ausbesserung und Konservierung wurde die Ingenieurgesellschaft Meinhardt Myanmar mit australischem Ursprung beauftragt.

Der viktorianische Prachtbau fügt sich in einen größeren Hochhauskomplex ein mit zwei Viersternehotels, zwei Bürotürmen, Geschäften, Kondominiums und Service Appartements. Die zwei auf dem Gelände bestehenden Gebäude – der FMI Centre Tower und das Grand Mee Ya Hta Hotel – werden abgerissen, wobei zwischenzeitlich die Parkson Shopping Mall die unteren drei Etagen des FMI Centre beziehen wird.

Hinter dem 350 Mio. US$ teuren Projekt steht die in Singapur gelistete Yoma Strategic Holding des myanmarischen Tycoons Serge Pun, der auch die Unternehmen FMI und Serge Pun & Associates (SPA) kontrolliert. Das FMI Centre ist aktuell der Sitz von JJ-Pun (S), einem Joint Venture von SPA und dem dänischen Handelshaus Jebsen & Jessen (JJ).

Der dänische Technologiespezialist JJ mit langer Geschäftserfahrung in Asien – die erste Handelsniederlassung wurde 1895 in Hongkong gegründet – operiert seit über 50 Jahren in Südostasien mit der Zentrale in Singapur. Das Büro in Yangon mit 22 Beschäftigten besteht seit Juni 2011. Weltweit erzielt JJ mit 4.500 Beschäftigten einen Umsatz von 3 Mrd. Euro – rund die Hälfte der verkauften Technologie ist deutschen Ursprungs (Lurgi, Evonik, MHE-Demag) – dazu besteht ein breites Luxussegment aus Sportwagen der Marke Porsche, Yachten und Weinen. “Was hier in Downtown hochgezogen wird, entspricht dem Standard Singapurs und schafft ein Markenzeichen für das neue Yangon”, erklärt der General Manager von JJ-Pun Philipp Hoffmann gegenüber Germany Trade & Invest.

Laut dem internationalen Maklerhaus Collier International verfügt Yangon über rund 8.000 Hotelzimmer, nicht einmal die Hälfte ist für westliche Besucher geeignet. Ebenso besteht nur eine begrenzte Zahl von gehobenen Businesshotels, nämlich fünf Fünfsterne- und sechs Viersternehotels. Die größten sind das renovierte Traders Hotel mit 496 Zimmern sowie die Hotels Sedona (450), Park Royal (359), Chatrium (315), Summit Parkview (250), Inya Lake (239) und Golden Hill (212). Die ersten drei werden von Gesellschaften aus Singapur gemanagt, die übrigen von Unternehmen aus Thailand, Hongkong und Japan.

Für die Nobelhotels brachte der Ansturm der Geschäftsreisenden einen wahren Geldsegen mit einer Explosion der Übernachtungspreise, die innerhalb nur eines Jahres auf den dreifachen Wert von durchschnittlich etwa 300 $ explodierten. Die Belegungsrate stieg in den letzten zwei Jahren von 60 auf 90%. Im Verlauf dieses Jahres sollen in Yangon rund 1.000 neue Hotelzimmer dazukommen. Dazu zählen das Nawarat Concorde Hotel von lokalen Geschäftsleuten sowie die drei Hotels Shangri La, Rose Garden und Centre Point von ausländischen Investoren.

Nach aktuellen Angaben des Hotel- und Tourismusministeriums zählt Myanmar derzeit 794 Hotels mit 28.660 Zimmern gegenüber 731 Hotels im Jahr 2011, darunter aber nur etwa 20 Vier- und Fünfsternehotels. Neben Yangon liegen die weiteren Schwerpunkte in der neuen Hauptstadt Naypyidaw, dem chinesisch geprägten Mandalay im Norden sowie dem Strandresort Ngapali. In 2012 wurden elf neue Hotelzonen in populären Tourismuszonen freigegeben, weitere dürften zügig folgen. Das Investment ausländischer Unternehmen in Hotels und Tourismuseinrichtungen beläuft sich bisher auf 1,4 Mrd. $. Ausländische Unternehmen kontrollieren – allein oder mit einem lokalen Partner – bisher nur 26 Hotels mit 4.054 Zimmern.

Der Besucherstrom ist 2012 gegenüber dem Vorjahr von 816.000 auf über 1 Mio. Reisende angestiegen. Dabei verzeichnete allein Yangon einen Zuwachs um 50% auf 554.000 Hotelgäste. Nach Herkunftsregionen repräsentierten Europäer 2012 etwa ein Viertel, wobei Deutschland nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich mit 22.000 Besuchern an dritter Stelle lag.

Mehr:
http://www.dica.gov.mm
http://www.mnped.gov.mm

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