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June 18, 2013

Schon wieder Zimmermädchen-Affäre: RTL lässt “Team Wallraff” schlimme Ausbeutung von Zimmermädchen in Hotels aufdecken

(Köln, 18. Juni 2013) Gnadenlos werden besonders Migrantinnen ausgebeutet: Für Zimmermädchen auch in Tophotels wie dem Waldorf Astoria oder dem Kempinski Bristol in Berlin gelten nachwievor unwürdige Arbeitsbedingungen. Das im der Hotellerie altbekannte Thema wurde nun einmal mehr aufgetischt – vom “Team Wallraff – Reporter undercover”. Die “RTL Extra”-Reporterin Pia Osterhaus arbeitete dafür als Reinigungskraft acht Monate lang zum Teil zu Stundenlöhnen von unter drei Euro. Dass dies nicht Einzelfälle sind, wie manche in der Hotellerie glauben, belegt eine seit Jahren anhaltende Serie an Medienberichten und Undercover-Reportagen. Erst kürzlich brachte HOTELIER TV & RADIO die preisgekrönte Radioreportage “Zimmerservice”, in der eine junge Reporterin im Hotel putzen ging – hören Sie die Reportage hier noch einmal: www.hoteliertv.net/podcasts

Schon wieder Zimmermädchen-Affäre: RTL lässt "Team Wallraff" schlimme Ausbeutung von Zimmermädchen in Hotels aufdecken

Immer wieder hat Günter Wallraff mit seinen Undercover-Reportagen gravierende Missstände in unserer Gesellschaft aufgedeckt und dabei längst überfällige Diskussionen auslösen können. Dank seiner Recherchen in der Arbeitswelt konnten haarsträubende Formen der Ausbeutung von Arbeitnehmern aufgedeckt und zumindest in Teilen abgestellt werden. Nun steht der Enthüllungsjournalist Pate für einen RTL-Piloten, der an seine ureigenen Methoden anknüpft. In “Team Wallraff – Reporter undercover” begibt sich eine Reporterin des RTL-Magazins “Extra” in eine Branche, in der hauptsächlich Frauen beschäftigt und schamlos ausgebeutet werden.

Über einen Zeitraum von insgesamt acht Monaten taucht die RTL-Reporterin im Süden der Republik immer wieder als ungelernte Reinigungskraft getarnt in eine allgegenwärtige Dienstleistungsbranche ein, die sich als düstere Parallelwelt des Arbeitsmarktes entpuppt: Sittenwidrige Stundenlöhne von unter drei Euro sind hier keine Seltenheit.

“Ich habe über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Städten für mehrere Firmen gearbeitet. Es waren typische Putzjobs, wie sie meist von ungelernten Kräften, fast immer Frauen, gemacht werden. Ein Großteil der Kolleginnen hat einen Migrationshintergrund und alle haben aus purer wirtschaftlicher Not diesen Knochenjob gemacht”, so die RTL-Reporterin.

Wer Ansprüche stellt oder gar seine Rechte einfordert, wird ganz schnell gekündigt. Die gestandene RTL-Reporterin erlebt Vorgesetzte, die sichtlich Spaß am Schikanieren ihres Teams haben. Mehr noch: die 31-Jährige erfährt in ihrer Rolle, wie respektlos ihre dienstleistenden Kolleginnen von wohlhabenden und gebildeten Menschen behandelt werden. “Ich möchte erreichen, dass die betroffen Frauen sich wehren. Ich habe ein System der Ausbeutung erlebt, wo die Angst der Frauen vor Arbeitslosigkeit ausgenutzt wird. Viele wissen nicht, dass ihnen ein Mindestlohn zusteht. Oft sprechen sie schlecht Deutsch und kennen ihre Rechte nicht. Verstöße gegen den tariflichen Mindestlohn müssen sofort angezeigt werden, das können am besten die Betroffenen.”

Günter Wallraff unterstützt und berät die RTL-Reporterin von Beginn an und schlüpft schließlich wieder selbst in eine Rolle. Als potentieller Großkunde getarnt, trifft er auf einen namhaften Unternehmer, der mit seinen vielfältigen Möglichkeiten prahlt, selbstbewusste Angestellte gefügig zu machen oder vor die Tür zu setzen.

“Ich habe großen Respekt vor der jungen RTL-Reporterin, die sich über Monate weg vom Schreibtisch in die Niederungen einer Arbeitswelt begeben hat, die von Erniedrigungen und Ausbeutung bestimmt ist”, so Wallraff. “Die Menschen, die in diesem Arbeitsbereich beschäftigt sind, haben so gut wie keine Rechte und erst recht keine Lobby. Obwohl sie mitten unter uns hart arbeiten, finden diese Parias in der Gesellschaft im öffentlichen Bewusstsein nicht statt.” Über seine eigene Rolle in der Pilotfolge sagt der 68-Jährige: “Mir selbst waren in diesem Milieu als Mann und altersbedingt natürliche Grenzen gesetzt, dafür habe ich eine Undercoverrolle als Manager übernommen. Umso größer ist meine Genugtuung, dass ich die Kollegin, die sich mit ihren Undercover-Recherchen an meiner Arbeit orientiert, mit Rat und Tat unterstützen konnte.”

Durch seine Mitarbeit an dem neuen RTL-Projekt setzt Günter Wallraff die erfolgreiche Zusammenarbeit mit RTL fort. Bereits im vergangenen Jahr war der Enthüllungsjournalist für die einstündige Reportage “Günter Wallraff deckt auf” in die Rolle eines Paketboten geschlüpft. Mit versteckter Kamera hatte er dokumentiert, unter welch unwürdigen Bedingungen die Beschäftigten in dieser Branche arbeiten. Die Enthüllungen vor gut einem Jahr hatten heftige Diskussionen ausgelöst und die Verantwortlichen aus der Paketdienstbranche zum Handeln gezwungen.

Einen solchen Effekt verspricht sich Günter Wallraff auch von der Ausstrahlung der neuen Undercover-Reportage: “Diese aufrüttelnde Langzeit-Reportage wird ganz sicher nicht ohne Folgen bleiben, denn hier werden Verantwortliche und Profiteure beim Namen genannt. Die Politik darf die Augen vor dieser Form der Entrechtung von wehrlosen Arbeitskräften nicht weiter verschließen. Es müssen strenge Kontrollen durchgeführt werden, dazu müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. In der Diskussion um die längst überfällige Einführung von Mindestlöhnen liefern wir mit unseren Rechercheergebnissen zusätzliche Argumente. “

0 Comments on “Schon wieder Zimmermädchen-Affäre: RTL lässt “Team Wallraff” schlimme Ausbeutung von Zimmermädchen in Hotels aufdecken

Peter
December 20, 2013 at 11:20 pm

Ich finde, dass den Firmen die im Gebäudereinigungssektor tätig sind und schamlos Menschen mit Migrationshintergrund ausbeuten das Handwerk gelegt werden sollte. Ich selbst habe eine ungarische Lebenspartnerin, die sich kürzlich in Baden-Baden im Europäischen Hof als Zimmermädchen beworben hatte und nach zwei “Probearbeitstagen” einen Arbeitsvertrag zugesichert bekam. Der Hacken ist nur, dass sie nicht nach Stunden bezahlt wird, sondern nach der Anzahl der gereinigten Zimmern. Knapp 4 Euro pro Zimmer bekommt sie für den Knochenjob. Dazu kommt noch, dass sie stundenlang warten muss ehe sie das Zimmer bearbeiten kann, da der Gast noch nicht ausgeschlafen hat. Ich sage: Nein Danke! Nein Danke zu Firmen, die in Werksverträgen an Hotels angesiedelt sind und Putzfrauen regelrecht rekrutieren: Geht die Eine kommt schon die Nächste. An Kanonenfutter mangelt es wahrlich nicht. So werden die Menschen eben verheizt und unser Staat schaut zu. Lieber klagen sie einen Staatsmann, wegen 700 € an, anstatt sich um die Belange der armen und mittellosen Menschen zu kümmern, die sich auch noch um eine Arbeit bemühen anstatt Harz 4 zu beziehen.

Fazit: Wieweit hat sich die Menschlichkeit entwickelt?
Wir leben tatsächlich noch im Mittelalter: Religion, moderne Sklaverei, Gier und Kriege sind nur ein paar Dinge die uns zeigen wie weit sich der Mensch entwickelt hat – nämlich fast gar nicht seit diesem finsteren Zeitabschnitt.

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